Was ist ein Naturgarten und worin unterscheidet er sich von konventionellen Ziergärten? Ein Naturgarten wird oft zu Unrecht abschätzig als Wildnis bezeichnet. Ziel im Naturgarten ist es ein
stabiles ökologisches Gleichgewicht zu schaffen. Deshalb wird er in der Regel von den natürlichen Gesetzmäßigkeiten der Natur bestimmt. Wer sich für einen natürlichen Garten entscheidet, möchte aber
sicherlich nicht nur einen von der Natur bestimmten Landstrich, sondern möchten diesen selbst gestalten und als Erholungsraum nutzen. Streng genommen gibt es daher kaum Naturgärten, sondern
vielmehr möglichst naturgetreue Gärten, in dem Mensch und Natur im harmonischen Einklang stehen.
Bild links: Pfaffenhütchen
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Naturgetreuer, naturnaher oder naturfreundlicher Garten - Die Ansichten über einen Naturgarten gehen oft stark auseinander. Folgende Merkmale sollten aber alle “Naturgärten” erfüllen:
Anlage und Pflege des Gartens erfolgt nach ökologischen Gesichtspunkten
Vielfältige Lebensräume für Tiere und Pflanzen
Standortgerechte, möglichst auch landschaftstypische Bepflanzung
Umgestaltung zum Naturgarten
Soll ein herkömmlicher Garten in einen Naturgarten umgewandelt werden, kann dies auch schrittweise verwirklicht werden. Zunächst sollte man den Garten genau beobachten und die besten Plätze für
Naturgartenelemente erkunden. Oft sind es auch nur kleine Veränderungen, die bereits Lebensraum für viele weitere Tiere und Pflanzen bringen.
Ein Baumstumpf in einem schattigen Gartenbereich sieht nicht nur dekorativ aus, sondern bieten eine Fülle von kleinen Pflanzen und Tieren neuen Lebensraum.
Größere mit Platten belegte Flächen können aufgelockert werden, indem einige Platten entfernt werden und in die offene Fläche niedrige Polsterstauden, wie z.B. Sternmoos, Thymian oder Mauerpfeffer
gepflanzt werden.
In bereits bestehende Grasflächen können Sie Wildblumen auspflanzen. Entweder Sie kaufen die Wiesenblumen als Pflanzen oder säen diese auf einem gesonderten Beet aus. Wir empfehlen Jungpflanzen nicht
direkt ins Gras zu Pflanzen, sondern zunächst einzeln in kleine Töpfe zu pflanzen und diese Töpfe in ein Gartenbeet einzulassen. Sind die Töpfe dann gut durchwurzelt können die Pflanzen den
Konkurrenzkampf mit den Gräsern aufzunehmen und haben dann auch beste Chancen sich gegenüber dem Gras zu behaupten.
Interessant wirkt ein Garten dann, wenn dieser optisch in Räume geteilt wird. Die Abtrennung kann mit Hilfe von Zäunen, Rankgittern oder einzelnen Sträuchern gestaltet werden. Zäune aus
Haselnussruten, bzw. Stangen sind nicht zwar nicht länger als 10 Jahre haltbar, doch für eine kurzzeitige Abtrennung oder auch als Rankgerüst sehr reizvoll. Verwenden Sie als Pfosten und Querriegel
gerade Hölzer mit einem Durchmesser von ca. 7 cm. Für die Querverbindungen flachen Sie die runden Hölzer an den Stellen, an denen sie zusammengefügt werden etwas ab und verschrauben sie diese. Dünne,
biegsame Ruten können einfach eingeflochten werden und mit dünnen Drahtstiften fixiert werden.
Eine
Trockenmauer z.B. auch als Windschutz an einem Sitzplatz oder ein kleiner Steinhaufen zwischen Stauden sieht nicht nur attraktiv aus, sondern bietet Lebensraum für viele Tiere, wie z.B. Kröten, Molche, Laufkäfer, Hummeln und Wildbienen.
Eine Anleitung zum Bau einer solchen Trockenmauer finden Sie unter: www.baumarkt.de
Vielleicht wünschen Sie sich in Ihrem Garten mehr Privatsphäre. Rankgitter mit Kletterpflanzen sind platzsparend und mit der richtigen Auswahl der Kletterpflanzen können Sie zum Artenschutz
beitragen.
Auch in einem bestehenden Garten finden oft noch zusätzliche Gehölze einen Platz. Diese strukturieren den Garten, entscheiden über das Kleinklima und wirken sich auf das Pflanzen- und Tierleben im
Garten aus. Auch für den Menschen sind diese nützlich. Mehrere Sträucher als Gehölzgruppe gepflanzt bieten Sicht- und Windschutz. Ein Baum gibt durch die ständige Verdunstung Wasser an die umgebende
Luft ab und kühlt diese dadurch. Die Krone dient als natürlicher Schattenspender und einige liefern zudem noch essbare Früchte.
Sanddorn
Zierapfel
Kupferfelsenbirne
Unser Extra-Tipp: Kiesbeet mit Insektenhölzer
Ein Garten, der attraktiv ist, aber wenig Arbeit macht ist der Traum vieler Hobbygärtner. Hier ein
Beispiel, wie auch ein natürlich gestaltetes Fleckchen zum Anziehungspunkt für Mensch und Tier wird.
Zunächst entfernen Sie an einem sonnigen Platz sämtliche Unkräuter.
Dann schlagen Sie drei unterschiedlich hohe angespitzte Baumstämme bzw. dicke gerade Äste in den Boden. In das Holz können Sie einige kleine Löcher bohren (Insektenhotel).
Pflanzen Sie Gräser, wie z.B. Lampenputzergras, Chinagras und die wintergrüne Japan-Segge dazu. Für einige Blütenakzente können Sie evt. noch Wildtulpen und einen Bodendecker mit langer Blühdauer,
z.B. Polsterglockenblume wählen. Um ein erneutes Aufkeimen der Unkräuter zu erschweren, decken Sie die Erde um die Pflanzen und
Hölzer mit Pappe ab, belegen diese mit einer Schicht feinen Kies und legen darauf unterschiedlich große Findlinge.
Als farbliches Highlight können Sie noch farbige Tontiere, Kugeln oder Steine dazu dekorieren. Als Hintergrundbepflanzung eignet sich ein Schmetterlingsstrauch hervorragend.
Wer seinen Garten in einen Naturgarten umwandeln möchte, kommt oft ins Zweifeln: Blumen kränkeln, Gemüse wächst kümmerlich,
Schädlinge ziehen über die Pflanzen her und die Unkräuter scheinen sich über den ganzen Garten zu verbreiten. Das bisher mit Insektiziden und erhöhtem Pflegeaufwand mühsam ins Gleichgewicht gebrachte System funktioniert nicht mehr richtig. Denn jetzt beginnt die natürliche Auslese und die am besten angepassten Pflanzen werden zum Schluss überleben. Doch Sie müssen nicht untätig zusehen, sondern können den natürlichen Prozess etwas unterstützen:
Beim Problemen sollten Sie sich zunächst fragen, ob die Bodenverhältnisse den Ansprüchen der Pflanze gerecht werden. Heidelbeerpflanzen z.B. benötigen sauren Boden. Haben Sie einen kalkreichen Boden,
wird die Pflanze immer kümmern. Bei größeren Pflanzen muss wohl auf die Pflanze verzichtet werden. Kleinere Pflanzen können in Kübel mit spezieller Erde gepflanzt und der gesamte Kübel (unbedingt mit
Drainageschicht und Abzugslöcher versehen) ggf. in die Erde versenkt werden.
Weiterhin ist zu fragen, ob der richtige Standort für die Pflanzen gewählt wurde. Ist dies nicht der Fall, sollten Sie überlegen, ob Sie die Pflanze innerhalb des Gartens umsetzen können.
Wenn die Bodenverhältnissen optimal und der richtige Standort gewählt wurde, die Pflanze aber trotzdem kränkelt, kann es sich evt. auch um eine empfindliche Sorte handeln. Hier sollten Sie überlegen,
ob nicht besser ein Verzicht und evt. ein Erstetzen durch eine unempfindliche Zuchtsorte möglich wäre. Zuchtrosen z.B. können durch Wildrosen ersetzt werden?
Bei erhöhtem Schädlingsbefall sollten Sie überlegen, ob Sie genügend Nahrung und Unterschlupf der natürlichen Feinde bereitstellen und ob Sie noch Partnerpflanzen setzen können, die den
Schädlingsbefall vermeiden helfen. Lavendel z.B. vertreibt Läuse und Schnecken.
Eine Hecke aus Wildsträucher bietet vielen Tieren Unterschlupf und Nahrung:
Pfaffenhütchen mit den schönen orangeroten Früchten, die allerdings giftig sind
Holunder, der als Heilpflanze geschätzt wird. Wunderschöne cremeweiße Blütendolden, die z.B. Holunderblütensirup verarbeitet werden können. Die Beeren werden als Zugabe in Säften, Marmelade und
Gelees verwendet. Rohe Beeren sind giftig.
Haselnusssträucher, die mit ihren leckeren Nüssen nicht nur Eichhörnchen anlocken
Roter Hartriegel, der sich in der Wintersonne von der besten Seite zeigt
Schlehe, die bereits früh im Jahr mit der weißen Blüte den Frühling erwachen lässt. Die blauschwarzen Früchte lassen sich nach dem ersten Frost zu Marmelade und Likör verarbeiten.
Wildrosen, die im Sommer mit herrlichen Blüten und im Herbst mit farbenfrohen Hagebutten aufwarten
Sanddorn, der auch auf nährstoffarmen Boden wächst. Die Früchte sind Vitamin C-haltig und lassen sich zu Marmelade und Gelee verwenden.
Kupferfelsenbirne, deren köstliche Früchte nicht nur den Amseln schmecken, sondern zur
Marmeladenherstellung sehr beliebt sind. Im Frühjahr beeindruckt dieser Strauch mit einer schönen Blüte und im Herbst mit einer farbenprächtigen Herbstfärbung
Weißdornstrauch ist ein wertvolles Vogelnähr- und Vogelschutzgehölz. Den weißen Blüten folgen im September dunkelrote Beeren.
Gemeine Heckenkirsche, ist ebenfalls ein wichtiges Vogelnährgehölz. Die dunkelroten erbsengroßen Früchte sind leicht giftig, bei Vögeln aber sehr beliebt.
Faulbaum, ein wichtiger Strauch, der das Überleben der Zitronenfalter sichert. Denn diese Schmetterlinge legen ihre Eier meist an diesem Gehölz ab. Die rotschwarzen Früchten werden von den Vögeln
geschätzt.
Ist die Hecke gepflanzt benötigt sie im ersten Jahr bei Trockenheit etwas Wasser. Ansonsten ist keine Pflege notwendig. Auch im Herbst sollt man das Laub liegen lassen, damit es im Winter Igel und
Insekten Unterschlupf bietet und nach dem Verrotten der Hecke als Naturdünger zur Verfügung steht. Ist die Hecke dann nach einigen Jahren zu groß oder verkahlt von unten, kann man die Hecke auf Stock
setzen. Das heißt, dass die Sträucher radikal bis auf wenige cm zurückgeschnitten werden.
Unser aktueller Gartentipp:
Nisthilfe für Hummeln Blumentopf aus Ton umgedreht mit etwas Holzwolle in die Erde eingraben, so dass der Blumentopf mit dem Boden ebenerdig abschließt. Damit durch das Abzugloch kein
Wasser fließt wird dieses mit einem Regenschutz versehen. Dazu 3-4 kleine Steine rund um den Topf verteilen und eine Steinplatte darüberlegen.
Weitere Tipps für die Anlage eines naturnahen Gartens finden Sie auf der Seite “Planung Naturgarten”
Der Naturgarten ist geprägt vom Zusammenleben von Mensch und Tier. Mit der Anlage eines Naturgartens wollen wir dazu beitragen, dass neuer Lebensraum für Pflanzen und Tiere geschaffen wird. Leider sind
Naturgärten nicht so häufig anzutreffen, obwohl diese sehr reizvoll gestaltet werden können. Wenn Sie bereits zu den wenigen Hobbygärtnern gehören, die bereits einen Naturgarten angelegt haben, würde ich
mich freuen, Fotos aus Ihrem Garten zu erhalten.
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